Diese chronologische Übersicht gibt einen Einblick in die Entstehung und Verbreitung der Werke Bediüzzaman Said Nursis. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Schriften Bediüzzaman Said Nursis entstanden über mehrere Jahrzehnte hinweg und unter höchst unterschiedlichen geschichtlichen Bedingungen. Viele seiner Werke wurden während des Exils, in Gefangenschaft oder unter staatlicher Beobachtung verfasst. Zunächst wurden sie von seinen Schülern handschriftlich vervielfältigt und weitergegeben, später mithilfe von Vervielfältigungsmaschinen und schließlich in Druckereien veröffentlicht.
Die folgende Chronologie zeichnet den Weg von den frühen Schriften aus der Zeit des „Alten Said“ bis zur gedruckten Gesamtsammlung der Risale-i Nur nach.
Frühe Werke bis 1923
In den Jahren 1911 und 1912 verfasste Bediüzzaman Said Nursi während der Periode des „Alten Said“ (Eski Said) mehrere größere und kleinere Werke. Einige davon wurden später von ihm selbst ins Türkische übertragen. Ein Großteil dieser Schriften wurde 1912 in Istanbul gedruckt.
- 1911 – Hutbe-i Şamiye (Die Damaskus-Predigt): Die Predigt wurde in der Umayyaden-Moschee in Damaskus gehalten und später als Schrift veröffentlicht.
- 1911 – Münazarât (Debatten oder Streitgespräche): Ein Werk, in dem gesellschaftliche, politische und religiöse Fragen in Form von Gesprächen behandelt werden.
- 1911 – Muhakemât (Beweisführungen oder Urteile): Eine Abhandlung über Methodik, Auslegung, Vernunft und die richtige Beurteilung religiöser Fragen.
- Kızıl İcaz (Die rote Wunderhaftigkeit): Eine frühe wissenschaftliche und sprachwissenschaftliche Abhandlung.
- Deva-ül Yeis (Heilmittel gegen die Verzweiflung): Eine Schrift über die Überwindung von Hoffnungslosigkeit und gesellschaftlicher Resignation.
- Teşhis-i İllet (Diagnose des Übels): Eine Untersuchung der geistigen und gesellschaftlichen Krankheiten seiner Zeit.
- Divan-ı Harb-i Örfî (Das Kriegsgericht): Eine Verteidigungsrede, die Said Nursi vor dem damaligen Militärgericht hielt.
- Nutuklar (Reden): Verschiedene Ansprachen und Reden aus dieser frühen Schaffensperiode.
- 1919 – Rüyada Bir Hitabe (Eine Rede im Traum): Eine allegorische Ansprache über den Zustand und die Zukunft der islamischen Welt.
- 1920 – Hutuvat-ı Sitte (Sechs Schritte): Eine Schrift gegen die britische Besatzung Istanbuls.
İşârâtü’l-İ’câz während des Ersten Weltkriegs
Während des Ersten Weltkriegs verfasste Said Nursi das arabischsprachige Werk İşârâtü’l-İ’câz – „Hinweise auf die Wunderhaftigkeit und Unnachahmlichkeit des Korans“.
Mit der Abfassung dieses Korankommentars begann er während seines Kriegsdienstes. Das Werk verbindet sprachliche, theologische und rhetorische Betrachtungen des Korans und nimmt innerhalb seiner frühen Schriften eine besondere Stellung ein.
Das Exil in Burdur 1925 bis 1926
- 1925/1926 – Nurun İlk Kapısı (Die erste Tür des Lichts): Das Werk entstand während des kurzen Exils in Burdur und markiert den Übergang zur Periode des „Neuen Said“ (Yeni Said).
Mit dieser neuen Schaffensperiode begann die Entstehung jener Schriften, die später unter der Bezeichnung Risale-i Nur Külliyatı zusammengefasst wurden.
Die Barla-Jahre 1926 bis 1934
Der größte Teil der grundlegenden Schriften der Risale-i Nur entstand während der mehr als zehnjährigen Zeit in Barla und Isparta. Trotz Verbannung und schwieriger Lebensbedingungen entwickelte sich in dieser Zeit der Kern der späteren Gesamtsammlung.
- 1926 – Onuncu Söz (Das Zehnte Wort): Eine Abhandlung über die Auferstehung der Toten. Sie gilt als die erste in Barla verfasste Risale.
- 1926–1934 – Sözler (Die Worte): Eine Sammlung von 33 „Worten“, in denen grundlegende Fragen des Glaubens behandelt werden.
- 1926–1934 – Mektubat (Die Briefe): Eine Sammlung von Briefen und Antworten Said Nursis an seine Schüler.
- 1926–1934 – Lem’alar (Die Lichtfunken): Weitere Abhandlungen zu Glaubensfragen, spirituellem Leben und islamischer Lebensführung.
- 1926–1934 – Barla Lâhikası (Der Barla-Anhang): Die erste und umfangreichste Lâhika-Sammlung. Sie enthält den Briefwechsel zwischen Said Nursi und seinen ersten Schülern in Barla und Isparta während der Entstehung der Risale-i Nur. Die Sammlung bildet den 27. Brief (Yirmi Yedinci Mektup) der Gesamtsammlung.
- 1932–1933 – Arbeiten an der Tevafuk-Koranschrift: Eine besondere Koranschreibung, bei der bestimmte Wörter und insbesondere der Name Allah auf den verschiedenen Seiten in bemerkenswerter Weise miteinander übereinstimmen.
Die Kastamonu-Jahre 1936 bis 1943
- 1936–1943 – Âyetü’l-Kübrâ (Das größte Zeichen): Eine bedeutende Abhandlung über die Gotteserkenntnis durch die Betrachtung des Universums und der Schöpfung.
- 1936–1943 – Kastamonu Lâhikası (Der Kastamonu-Anhang): Die zweite Lâhika-Sammlung enthält Briefe an die Schüler der Risale-i Nur aus der Zeit der Verbannung in Kastamonu.
Die Denizli- und Afyon-Zeit 1943 bis 1949
- Um 1943–1949 – Şualar (Die Strahlen): Der vierte Hauptband der Risale-i Nur enthält zahlreiche Abhandlungen sowie Verteidigungsschriften (Müdafaalar), die Said Nursi vor den Gerichten in Denizli und Afyon vorlegte.
- Um 1943–1949 – Asâ-yı Mûsâ (Der Stab des Moses): Eine Zusammenstellung von Risalen zum Beweis der Einheit Allahs (Tevhid), die insbesondere im Zusammenhang mit der Denizli-Haft und der späteren Afyon-Zeit entstand beziehungsweise zusammengestellt wurde.
Der Titel Asâ-yı Mûsâ verweist auf den Stab des Propheten Moses, der als Wunderzeichen diente. Entsprechend sollen die darin versammelten Abhandlungen wie ein „Beweisstab“ gegen Unglauben, Materialismus und die Leugnung der göttlichen Einheit wirken.
Die Emirdağ-Jahre 1944 bis 1953
- 1944–1947 – Emirdağ Lâhikası I: Der erste Teil enthält Briefe aus Said Nursis erstem Aufenthalt in Emirdağ an seine Schüler in Isparta, Kastamonu, Istanbul und Ankara.
- 1948–1952/1953 – Emirdağ Lâhikası II: Der zweite Teil umfasst Briefe aus der Zeit in Emirdağ und Eskişehir sowie aus den beiden Istanbul-Aufenthalten der Jahre 1952 und 1953. Die Sammlung enthält außerdem verschiedene Verteidigungsschriften.
- 1948–1949 – El-Hüccetü’z-Zehrâ: Mit der Abfassung dieser Abhandlung fand die Entstehungsphase der Risale-i Nur Külliyatı im Wesentlichen ihren Abschluss.
Weitere späte Werke und Zusammenstellungen
- Tesettür Risalesi (Die Abhandlung über die Bedeckung der Frau): Diese Abhandlung gehörte zu den Anlässen des Eskişehir-Prozesses von 1935.
- Gençlik Rehberi (Wegweiser für die Jugend): Eine Sammlung von Texten, die sich besonders an junge Menschen richtet. Das Werk wurde zum Anlass des Istanbul-Prozesses von 1952.
- Sikke-i Tasdik-i Gaybî (Das Siegel der verborgenen Bestätigung): Eine Sammlung von Texten, in denen Said Nursi verschiedene ältere islamische Überlieferungen als Hinweise auf sein Wirken und die Risale-i Nur deutet.
- Nach 1950 – Tarihçe-i Hayat (Geschichte des Lebens): Eine Biografie Said Nursis, die aus seinen Briefen sowie den Berichten und Erinnerungen seiner Schüler zusammengestellt wurde.
Die vier Lâhika-Sammlungen
Die Lâhikalar dokumentieren den Briefwechsel Said Nursis mit seinen Schülern und geben Einblick in die Entstehung, Verbreitung und Wirkung der Risale-i Nur während der verschiedenen Verbannungsperioden.
| Sammlung | Zeitraum | Ort |
|---|---|---|
| Barla Lâhikası | 1926–1934 | Barla und Isparta |
| Kastamonu Lâhikası | 1936–1943 | Kastamonu |
| Emirdağ Lâhikası I | 1944–1947 | Emirdağ |
| Emirdağ Lâhikası II | 1948–1952/1953 | Emirdağ, Eskişehir und Istanbul |
Umfang der Risale-i Nur
Die häufig mit 130 Teilen bezifferten Risalen sind von sehr unterschiedlichem Umfang. Werden die einzelnen Abhandlungen jeweils eigenständig gezählt und nicht zu größeren Sammelbänden zusammengefasst, ergibt sich eine Gesamtzahl von ungefähr 196 Risalen.
Der Großteil der großen Sammelbände – darunter die Sözler, Mektubat und Lem’alar – entstand während der Jahre in Barla und Isparta.
Von handschriftlichen Abschriften zur Vervielfältigungsmaschine
Bis 1946 wurden die Werke überwiegend in osmanischer Schrift handschriftlich niedergeschrieben, vervielfältigt und weitergegeben. Said Nursi bezeichnete sich selbst als „halb des Schreibens unkundig“ (yarım ümmi): Er konnte lesen, schrieb jedoch nicht besonders gut leserlich.
Die Zahl der Risalen, die er tatsächlich mit eigener Hand niederschrieb, war daher gering. Viele Texte wurden von Nur-Schülern in seiner unmittelbaren Umgebung aufgeschrieben. Zu diesen Schreibern gehörten unter anderem Hüsrev und Şamlı Hafız Tevfik. Die genaue Zahl aller beteiligten Schreiber lässt sich heute nicht sicher bestimmen.
1946 wurden drei Vervielfältigungsmaschinen angeschafft. Dadurch konnten die Risalen schneller kopiert und einer größeren Zahl von Lesern zugänglich gemacht werden. Bis etwa 1950 erfolgte ein großer Teil ihrer Verbreitung mithilfe dieser Maschinen.
Der Übergang zum Buchdruck
Nach 1950 begann man, die Risalen in lateinischer türkischer Schrift in Druckereien zu veröffentlichen. Das erste in der neuen Schrift gedruckte Werk war die Küçük Tarihçe-i Hayat, die „Kleine Lebensgeschichte“ Said Nursis.
Ab 1954 nahm die Drucktätigkeit deutlich zu. Seit 1955 wurden die Bände der Risale-i Nur in Ankara, Istanbul, Antalya und Samsun gedruckt. In den Jahren 1957 und 1958 erschien die Gesamtsammlung schließlich umfassend im neuen lateinischen türkischen Alphabet.
Said Nursi achtete außerordentlich genau auf die korrekte Übertragung und Veröffentlichung seiner Werke. Bei der Übertragung in die neue Schrift schickte er die Texte unter anderem an Tahiri und Ceylan und mahnte sie zu besonderer Sorgfalt.
„Als die Risale-i Nur Külliyatı ab 1955 in der neuen Schrift in Ankara, Istanbul, Antalya und Samsun zu drucken begann, freute sich unser Meister geradezu wie an einem Fest. Er sagte: ‚Das ist das Fest der Risale-i Nur.‘
Als der Sammelband Sözler zum ersten Mal in die Druckerei gegeben wurde, sagte er: ‚Darauf habe ich gewartet. Wenn das fertig ist, kann ich ins Jenseits gehen.‘ Als das Werk fertiggestellt war, begann der Druck der Mektubat. ‚Wenn ich das auch noch sehe, kann ich gehen‘, sagte er.
Danach wurden Lem’alar, İşârâtü’l-İ’câz, Mesnevî-i Nuriye, Asâ-yı Mûsâ, Şualar, Tarihçe-i Hayat und zuletzt Bediüzzaman Cevap Veriyor gedruckt. Bei jedem Buch, das in den Druck ging, sagte er: ‚Mein Herr, wenn ich das sehe, kann ich gehen – auf diese Tage habe ich gewartet.‘“
Die letzten Zeugen – Erinnerungen von Bayram Yüksel, Band III, Seiten 52–53
Vom Manuskript zur Gesamtsammlung
Die Geschichte der Risale-i Nur ist nicht allein die Geschichte einzelner Bücher. Sie ist zugleich die Geschichte ihrer Bewahrung und Weitergabe. Die Abhandlungen entstanden unter Verbannung, Gefangenschaft und staatlicher Beobachtung. Dennoch wurden sie von den Schülern Said Nursis sorgfältig niedergeschrieben, abgeschrieben, vervielfältigt und schließlich gedruckt.
Der Übergang von handschriftlichen Manuskripten über Vervielfältigungsmaschinen bis zur gedruckten Gesamtsammlung zeigt, mit welcher Hingabe die Werke über Jahrzehnte hinweg bewahrt wurden. Was zunächst nur in einzelnen handgeschriebenen Exemplaren weitergegeben werden konnte, erreichte schließlich Leser in vielen Teilen der Türkei und darüber hinaus.
Redaktion: Said Nursi Stiftung




