Wenn wir jemanden wirklich kennenlernen möchten, beginnen wir meist mit seinem Namen. Doch ein Name allein verrät selten alles. Erst wenn die Eigenschaften, die Tugenden und die Spuren eines Lebens hinzutreten, entsteht ein vollständiges Bild. Genau aus diesem Grund hat die islamische Gelehrtentradition seit Jahrhunderten die Namen und Eigenschaften des Propheten Muhammed ﷺ gesammelt, geordnet und kommentiert. Diese Tradition trägt den Namen Esmâ ve Sıfât-ı Nebî und gilt als spiritueller Schlüssel, um die Persönlichkeit des Gesandten ﷺ in ihrer Tiefe zu erfassen.
Eine besondere Sammlung aus der Risale-i Nur
Bediüzzaman Said Nursi verwendet in seinem Gesamtwerk Risale-i Nur eine außergewöhnlich reichhaltige Sprache, wenn er den Propheten ﷺ erwähnt. Selten bleibt es bei einer einfachen Bezeichnung. Statt nur „Resul“ oder „Nebî“ zu schreiben, greift er zu Namen, die jeweils eine andere Facette dieser einzigartigen Persönlichkeit beleuchten. Manche dieser Namen entstammen klassischen Quellen, andere sind eigenständige Formulierungen Nursis, die aus seiner tiefen Liebe und seiner gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Koran hervorgehen.
In dem PDF-Dokument, das du am Ende dieses Beitrags herunterladen kannst, haben wir 176 dieser gesegneten Namen und Eigenschaften systematisch zusammengetragen, jeweils mit Originalbegriff, deutscher Übersetzung und Quellenverweis auf das entsprechende Werk innerhalb der Risale-i Nur (Mektubat, Sözler, Lem’alar, Şualar und weitere).
Welche Bilder des Propheten ﷺ eröffnen sich?
Ein kurzer Blick auf einige der Bezeichnungen verdeutlicht, wie vielfältig die Perspektive Nursis ausfällt. Da begegnet uns der Hoca-i Kâinat, der „Lehrmeister des Universums“, und der Reis-i Âlem, das „Oberhaupt der Welt“. Wir lesen vom Tılsım-ı Kâinatın Miftahı, dem „Schlüssel zum Rätsel des Universums“, und vom Muamma-yı Hilkatin Keşşafı, dem „Enthüller des Mysteriums der Schöpfung“.
An anderer Stelle wird der Prophet ﷺ als Rahmeten lil-Âlemîn beschrieben, als „Barmherzigkeit für die Welten“, oder als Habibullah, der „Geliebte Gottes“. Wieder andere Namen rücken seine Rolle als Lehrer und Erzieher in den Vordergrund: Muallim-i Ekber („der größte Lehrer“), Mürebbi-i Nüfus („der Erzieher der Seelen“) und Üstad-ı Küll („der Lehrmeister aller Dinge“).
Diese Vielfalt ist kein bloßes rhetorisches Spiel. Jeder Name eröffnet eine eigene Tür zur Betrachtung und kann zur Grundlage einer ganzen Meditation, einer Khutba oder eines Sohbet-Gesprächs werden.
Spuren des Propheten ﷺ in Thora, Psalmen und Evangelium
Im zweiten Teil des Dokuments findest du 15 weitere Namen, die aus früheren heiligen Schriften überliefert sind. In der Thora erscheint der Prophet ﷺ unter Bezeichnungen wie El-Münhamenna, El-Hâtem-ül Hâtem („das Siegel der Siegel“) und Ahyed. Die Psalmen Davids (Zebur) sprechen von El-Muhtar, dem „Auserwählten“. Im Johannesevangelium finden sich Hinweise auf den Tröster (Paraklet) und den Träger der Krone (Sahib-üt Tâc).
Diese Quellenangaben stützen sich auf die klassische islamische Überlieferung und insbesondere auf Said Nursis Darlegungen im 19. Mektubat, der Mucizat-ı Ahmediye Risalesi, in dem er die Wunder und prophetischen Vorhersagen ausführlich behandelt.
Wozu diese Sammlung dient
Eine solche Liste lädt zu mehreren Lesarten ein. Manche werden sie als Grundlage für die persönliche Betrachtung und das Salavat nutzen. Andere finden hier Inspiration für Vorträge, Khutbas oder Studienzirkel. Wieder andere lesen die Liste einmal komplett und kehren immer wieder zu jenem Namen zurück, der sie im jeweiligen Lebensmoment besonders berührt.
Said Nursi hat in der Risale-i Nur immer wieder darauf hingewiesen, dass die Liebe zum Propheten ﷺ ein zentrales Tor zur Liebe Allahs darstellt. Wer den Gesandten ﷺ mit seinen vielen Eigenschaften kennt, kommt seinem Herrn näher.
Eine kleine Anmerkung zur Vollständigkeit
Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Risale-i Nur ist ein umfangreiches Werk, und es lohnt sich, die Originaltexte selbst zur Hand zu nehmen, um den Kontext jedes Namens zu erfassen. Diese Zusammenstellung versteht sich vor allem als Einstieg, der zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Gesamtwerk Bediüzzamans einlädt.
Möge Allah ihm und seiner Familie Frieden und Segen schenken. Sallallâhu ‘aleyhi ve sellem.
Redaktion: Said Nursi Stiftung




