Der schöpferische Befehl „Sei, und es ist“/ „Emri kun fayakun“

Der schöpferische Befehl „Sei, und es ist“ „Emri kun fayakun“

Da Er im Besitz von „Sei, und es ist“ ist und in jedem Frühling außer der elementaren Stofflichkeit der zahllosen Frühlingswesen auch ihre unzähligen Eigenschaften, Zustände und Formen aus dem Nichts erschafft und in Seinem Wissen der Plan, das Modell, das Verzeichnis und das Programm eines jeden Dinges festgelegt ist und alle Teilchen im Bereich Seines Wissens und Seiner Allmacht handeln, erschafft Er alles mit höchster Leichtigkeit, gleich dem Anschlagen eines Streichholzes.

(Risale-i Nur Tafsir- Lem’alar- Said Nursi)

Diese Passage entfaltet eine in sich geschlossene metaphysische Argumentation. Der Ausgangspunkt ist der Ausdruck „Emri kun fayakun“, also der schöpferische Befehl „Sei, und es ist“. Damit wird nicht bloß eine sprachliche Formel bezeichnet, sondern die unmittelbare Wirksamkeit göttlicher Schöpfermacht. Sein Wille ist kein Prozess, der Widerstand überwinden muss, sondern ein wirksamer Befehl, dessen Beziehung zur Existenz unmittelbar ist.

Im Zentrum steht sodann die Frühlingsepoche als sichtbares Beispiel. In jedem Frühling erscheinen zahllose Wesen neu: Pflanzen, Tiere, unzählige Lebensformen. Die Aussage betont ausdrücklich, dass ihre Erschaffung sich nicht auf die „madde-i unsuriye“, also auf die elementare Stoffbasis, beschränkt. Materie allein erklärt weder die Vielfalt noch die Individualität noch die spezifischen Strukturen dieser Wesen. Über die stoffliche Grundlage hinaus werden ihre unzähligen Eigenschaften, Zustände und Formen aus dem Nichtsein hervorgebracht. Damit wird deutlich gemacht, dass Schöpfung nicht ein bloßes Arrangieren vorhandener Elemente ist, sondern eine umfassende Existenzverleihung, die auch die nichtmaterielle Bestimmtheit einschließt.

Der Text führt diese Bestimmtheit auf das göttliche Wissen zurück. In Seinem Wissen ist für jedes Ding ein Plan, ein Modell, ein Verzeichnis und ein Programm festgelegt. Diese Begriffe verweisen auf eine präzise Vorbestimmtheit im Bereich des Wissens. Jedes Wesen besitzt eine bestimmte Struktur, eine innere Ordnung, eine spezifische Identität, die nicht aus der Materie selbst hervorgeht, sondern im Wissen festgelegt ist. Hier verbindet sich die Dimension des Wissen mit der taayyun, der konkreten Individualisierung. Nicht nur die Gattung, sondern jedes einzelne Individuum ist bestimmt.

Darauf folgt eine weitere Vertiefung: Alle Teilchen bewegen sich im Bereich Seines Wissens und Seiner Allmacht. Das bedeutet, dass die kleinsten Bestandteile der materiellen Welt nicht autonom handeln, sondern innerhalb eines umfassenden Wissens- und Machtrahmens stehen. Ihre Bewegungen sind nicht unabhängig, sondern eingebettet in eine übergeordnete Ordnung. So wird ausgeschlossen, dass Zufall oder blinde Naturkräfte als letzte Ursache gelten könnten.

Aus dieser Gesamtschau ergibt sich die Schlussfolgerung von der Leichtigkeit der Schöpfung. Wenn sowohl Materie als auch ihre Bestimmtheit, sowohl Plan als auch Ausführung, sowohl Teilchenbewegung als auch Gesamtordnung im Bereich des göttlichen Wissens und der göttlichen Allmacht liegen, dann ist Erschaffung kein mühsamer Prozess. Sie geschieht mit äußerster Leichtigkeit, „gleich dem Anschlagen eines Streichholzes“. Dieses Bild soll keine mechanische Analogie sein, sondern die Abwesenheit von Schwierigkeit verdeutlichen. Für die unbegrenzte Macht ist die Hervorbringung unzähliger Wesen ebenso leicht wie die eines einzigen.

So verbindet die Passage mehrere Ebenen zu einer einheitlichen Argumentation, den schöpferischen Befehl, die fortwährende Frühlingserneuerung, die Erschaffung nicht nur der Materie, sondern auch der Eigenschaften und Formen, die Festlegung aller Dinge im Wissen und die umfassende Kontrolle über die Teilchenbewegung. Aus dieser metaphysischen Struktur ergibt sich die zentrale Aussage: Die Welt ist nicht das Ergebnis materieller Selbstorganisation, sondern Ausdruck eines wissensgetragenen, willensbestimmten und machtvoll verwirklichten Schöpfungsaktes, der in vollkommener Leichtigkeit geschieht.


Autor: Redaktion, Said Nursi Stiftung

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